Hunde an der Leine

Es gehört zum täglichen Bild eines Hundehaltenden, dass sein Hund an der Leine ist. Solange sich nichts grundlegendes ändert, wird man sich als Hundehalter mit der Hundeleine zu arrangieren haben.

Ein weiterer Artikel zu Alltagstraining

Grundidee hinter der Leine mag die Vorstellung des unberechbaren, wilden Tieres sein, das es zu bändigen gilt. Vielleicht mag das bis zu einem gewissen Punkt stimmen. Menschliche Siedlungen wurden für Menschen gebaut und selbst Menschennachwuchs muss mühselig erklärt werden, wie man sich in diesem Kontext verhält (zB dass man nicht auf Autobahnen zu Fuss unterwegs ist).

Die Leine kann als doppelter Boden gesehen werden, der es im letzten Moment verhindert, dass es zu Schwierigkeitne kommt, zB zwei Hunde sich prügeln, oder das Hörnchen vom Hund gejagt wird.

Dabei sollte nicht vergessen werden, dass die Kommunikation mit dem Hund nicht zu kurz kommt. Darum dreht sich dieser Teil des Alltagstrainings. Vorranging sind hier die operante Konditionierung. Denn an der Leine gehen ist eine geistig Kraft raubende Betätigung. So soll der Hund durchaus die Möglichkeit erhalten, sich seiner Umwelt zu widmen und seinen reizvollen Reizen (wie Gerüche, andere Hunde, andere Tiere, verschiedene Untergründe, etc), ohne dabei das andere der Ende der Leine zu vergessen (der Mensch). Der Hund muss also sich auf zwei Bereiche konzentrieren.

Beginn und Pausen ankünden
Um zu verhindern, dass der Hund in die Leine rennt, bzw noch am Ort klebt während der Mensch schon am Laufen ist, empfiehlt es sich, das Anhalten und das Loslaufen anzukünden. Dafür braucht man nicht viel aufzubauen; es ist schon ausreichend, jdes Mal kurz vor Anhalten ein Signal zu geben, und ein anderes Signal vor dem Loslaufen. Wer wenig erfinderisch ist mit Signalnamen, kann sich ein fremdsprachiges Wörterbuch nehmen - so wird vermieden, dass das ausgesuchte Wort im Alltag vorkommt. Mit der Zeit wird der Hund verstehen was gleich kommt und sich darauf einrichten.

Genügend Freiräume geben
Kommunikation und Erkundung braucht Raum. Raum, der an einer kurzen Leine kaum oder nicht vorhanden ist. Wer seinem Hund eine 1 Meter kurze Leine gibt, braucht sich nicht wundern, wenn es zieht sobald Hund auf dem Gehweg kurz an der Seite was beriecht. Optimalerweise sollte eine Leine 3-4 Meter lang sein. Rolleinen - auch Flexileinen - empfehlen sich weniger, da durch die Feder ein konstanter Zug auf der Leine entsteht und dadurch der Hund sich das Ziehen angewöhnen könnte. Wer es dennoch versuchen mag, soll es. Mit der langen nun kann man erwünschte Verhaltensweisen fördern, indem man dem Hund mehr Leine gibt - zB wenn er von einem fremden Hund weg geht anstatt diesen anzubellen, oder wenn der Hund zügig und direkt auf den Bürgersteig hoch geht. Man kann die Leine im richtigen Moment einholen und in die Hand nehmen, wenn eine Wegstrecke bevorsteht, an der der Hund kürzer angebunden sein soll - indem man ein Auge dafür entwickelt, wann der Hund nah bei einem ist und dann die Leine aufwickelt.

Geschwindigkeit raus nehmen
Leicht kann es passieren, dass man als Mensch ein Marschritt einnimmt und dem Hund kaum gelegenheit bietet, sich den Gerüchen und Ansichten zu widmen. Irgendwann passt sich Hund an, und läuft stracks gerade aus. So kommt Fahrt auf und als Hund auf vier Beinen der als Kanide einst viele Kilometer zurück legte und dafür eine gute Gangart kennt, wird der Hund schneller als der Mensch und zieht an der Leine. Das hat man sich selber eingehandelt. Dem Hund Gelegenheiten geben zu reichen, sich einer Sache etwas länger zu widmen, sich mal gegen die Laufrichtung zu stellen und etwas zu warten bevor es weiter geht. All das hilft, Geschwindigkeit aus dem Spaziergang zu nehmen und erwünschtes Verhalten wahrscheinlicher zu machen.

Das richtige Kleid
Natürlich braucht Hund auch eine passende Kleidung. Porzellangeschirr geht zu schnell zu bruch und passt so gar nicht. Brustgeschirre hingegen schon. Durchgesetzt haben sich bisher zwei Modelle. Das eine ist das Y-Geschirr - es sieht aus wie ein Y. Es besteht aus einem Rückensteg und einem Bauchsteg, sowie einem Band das um den Brustkorb herum geht und den Hund längs in zwei teilt, sowie einem Halsring, in dem der Hals steckt.
Vorsicht: Wichtig ist, darauf zu achten dass die Stege fest und mittig sitzen und nicht in die Achselhöhle weg rutschen, wo diese die Nerven quetschen können und störend sind. Bei kurzhaarigen Hunden und Hunden mit wenig Haarpracht kann es zu Reibung kommen und zu wunden Stellen. Eine gute Polsterung ist dann wichtig.

Y-Geschirr.
Ein Y-Geschirr

Ein anderes Modell ist das Nordik-Geschirr. Es besteht aus einem breiten Brustband das vorne um den Bug geht und einem Band das um Brust und Bauch geht und den Hund in zwei Teile sortiert.
Vorsicht: Der Bugsteg soll weder zu tief sein, wo er das Gehen behindert, noch zu hoch sitzen, wo er die Atemwege behindert.

Nordic-Geschirr.
Ein Nordik-Geschirr

Wer seinem Hund ein Halsband anlegt, sollte keine lange Leine nutzen, da Hund sich leicht Verletzungen zuführen kann, wenn er mit Anlauf in die Leine rauscht. Das Halsband sollte etwa zwei Halswirbel breit sein und flach genäht. So verteilt sich der Druck besser. Halsbänder sind auch dann geeignet, wenn Hund Lipome an den Stellen hat, wo das Geschirr sitzt und es zu Reibung kommt. Auch bei Rückenproblemen die im Übergang Brust-Lende liegen sollte auf ein Brustgeschirr verzichtet werden.

RANDBEMERKUNG
Damit das Geschirr passt, gilt es auf ein, zwei Punkte zu achten. Beim Y-Geschirr ist es wichtig, dass zwischen Schulterblatt und dem Band das um den Brustkorb geführt wird, eine Handfläche breit freie Fläche bleibt. Vorne am Brustkorb sollte der Übergang vom Bruststeg zum Halsring am knöchernen Teil anliegen, sodass die Luft nicht abgeschnürrt wird. Auf ein Brustgeschirr mit verstellbaren Stegen zu achten ermöglicht das genaue Einstellen des Geschirres. Die Übergänge der Stege zu den Banden sollte fest vernährt sein, so rutscht nichts. Labradore benötigen Geschirre aus elastischem Material, damit es immer perfekt sitzt. Für andere Hunde sollte jeweils zwei Finger weit Platz sein unter dem Geschirr. Beim Nordik-Geschirr gilt für das Band um den Brustkorb das gleiche: eine Handfläche breit sollte Platz über sein zwischen Schulterblatt und Band. Für den Bruststeg, der nun nicht zwischen den Vorderbeinen durch geht, sondern um das Ellbogengelenk über den Brust-Hals-Bereich, gilt, dass dieser auf Höhe bzw leicht über der Höhe der Ellbogengelenke verlaufen sollte, sodass Hund seine Vorderbeine ungehindert nach vorne ziehen kann. Auch hier sollten zwei Finger unter das Geschirr passen, damit es sitzt. Leim eignet sich in der Regel nicht, um das Geschirr zu befestigen.

Freilauf ankünden
Wird der Hund von der Leine gelassen, hilft es dem Hund zu wissen, dass er nun 'frei' ist. Ein kleines Wortsignal kurz bevor er gehen kann, regelmässig aufgesagt im richtigen Moment, und schon weiss Hund dass er gehen kann (ich schrieb bereits einen Artikel zum Abruf).

Kleine Übungen erleichtern den Ernstfall
Ein- zwei Mal unterwegs (für einen selbst) wichtige Übungen wie das Abrufen abgefragt, hilft dass es im Ernstfall gut funktioniert. So kann Hund abgerufen werden und wenn er bei einem steht, direkt das Signal für den Freigang gegeben werden. So lohnt es sich für den Hund auch in Zukunft, herzukommen. Der Abruf kann auch belohnt werden, in dem dem Hund nach dem Signal zum Loslaufen mehr Leine gegeben wird.

Zum Schluss
Der Spaziergang sollte gemeinsame Zeit mit Hund sein, etwas worauf man sich freut und das man geniesst. So wie Hund gnädig mit einem Menschen ist, sollte auch Mensch mit Verstand und Einsicht auf den Hund eingehen und nicht alles bierernst nehmen. Das Leben ist zu kurz um schöne Momente zu vermiesen.

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