Antigiftköder Training

Auch einen Staubsauger als Hund? Man kann mit dem Hund daran arbeiten, dass er nicht alles aufsaugt.

So schwierig ist das nicht. Der Fachbegriff nennt sich Omission Training, oder auch Differential Reinforcement of Other Behaviour. Klingt kompliziert, ist es nicht. Es meint, dass alles was nicht das unerwünschte Verhalten ist, verstärkt wird.

Wichtig dabei ist zu verstehen, dass der Verstärker, also der Lohn für das andere Verhalten, hoch genug ist. Bekommt der Hund weniger für das andere, erwünschte Verhalten, dann lohnt es sich nicht für ihn.

Alternatives Verhalten muss daher anbieten: in weniger Zeit, leichter an bessere Belohnung, genauer: Mit weniger Mühe was viel besseres bekommen. Dann hat man gute Chancen dass das neue Verhalten sich durchsetzt.

Ich habe bereits Artikel zu den Grundlagen und der Struktur geschrieben - lest euch doch da rein, wenn was unklar sein sollte. Ausserdem findet ihr einen Weg über das Abbruchsignal

Aufbau

Der Hund soll eine Idee bekommen, dass er sich auf Dinge, die am Boden liegen, nicht stürzen soll. Dafür legt man einen Karton, oder Pappteller, auf den Boden. Der Hund an der Leine steht etwa 1 Meter Abstand davon weg - wenn ihr mehr Abstand braucht, dann baut mehr Abstand auf.

In dieser Grundsituation verstärkt ihr nun jedes Verhalten, das nicht zum Karton hin geht: Euch angucken, am Gebüsch schnuppern, davon weg laufen. Ihr könnt auch etwas Hundetraining einbauen, Tricks abfragen (Sitz, Platz, Hand anstupsen, Tanzen, etc.).

Dann fangt an, daran vorbei zu laufen. Geht an lockerer Leine, immer in einem Abstand, wo der Hund sich noch beherrschen kann und nicht drauf stürzt. Das ist wichtig. Wenn ihr erwünschtes Verhalten seht: verstärkt es.

Stück um Stück kommt ihr dem Karton näher. Ohne dass der Hund sich drauf stürzt.

Die nächsten Schritte

Die Grundschritte habt ihr nun gesehen. Mit ausreichend Abstand verstärkt ihr Verhalten, das nicht zum Gegenstand hin geht. Dann nähert man sich Stück um Stück, immer so, dass der Hund nicht überfordert wird.

Nun baut ihr die Schwierigkeit auf. Ihr legt zB ein Stück trockenes Brot, oder was der Hund nicht so sehr mag, auf den Karton. Und los geht es, mit den Schritten die ich oben beschrieb.

Bis ihr an dem Gegenstand vorbei gehen könnt, ohne dass der Hund sich drauf stürzt. Das steigert ihr, bis ihr bei sehr leckeren Dingen wie Stinkekäse oder Wurst angekommen seid.

Nehmt euch Zeit, hastet nicht. Denn es soll gut sitzen und funktionieren.

Dann in den Alltag

Bis jetzt habt ihr zuhause, oder im Garten geübt. Nun sucht ihr neue Plätze. Ihr trainiert auf einem leeren Parkplatz, im Stadtpark, oder auf einer Wiese. Immer getreu dem Motto: Zurück zum Kindergarten. Das meint, dass ihr bei ganz leicht - der Karton - anfängt bei neuen Orten und euch dann wieder hocharbeitet zu ganz schwer. Wenn der Hund die Idee der Übung schon hat, dürfte das an sich zügig gehen.

Experimentiert mit den Leckerchen

Werdet zum Forscher und erforscht, welche Leckerchen wie gut funktionieren bei eurem Hund. Je nach Aufgabe und Motivation des Hundes, kann das variieren. Es ist wirklich wichtig, dass ihr eine gute Motivation in den Hund bekommt, damit das Verhalten zuverlässig ist. Und dafür müsst ihr euren Hund kennen lernen. Versucht verschiedene Leckerchen, tauscht euch untereinander aus, versucht neues, und nehmt, was am besten funktioniert.

Nicht schwach werden

Wenn ihr an dem Punkt seid, dass der der Hund Sachen am Boden links liegen lässt, dann werdet nicht schwach. Denn der Verstärker für den Hund, Sachen vom Boden aufzuessen, ist nicht weg: ihr habt ein neues Verhalten auftrainiert, das für den Hund lohnenswerter ist als sein altes Verhalten.

Wenn ihr Montag früh morgens durch den Stadtpark geht, überall Reste von der Party am Wochenende, ihr seid noch halb verpennt, dann müsst ihr dennoch fix genug sein und den Hund dafür belohnen, wenn er sich nicht an die Sachen von Boden macht. Tut ihr das nicht, wird das neue Verhalten, das ihr aufgebaut habt, nicht mehr lohnenswert sein und der Hund fällt zurück in seine alten Muster. Hunde sind nunmal anpassungfähige Wesen die essen was kommt.

Hier liegt der eigentliche Knackpunkt der Übung: Ihr müsst damit leben, dass ihr bis zum Ende der Tage eures Hundes, ihn fördern müsst wenn er Essen am Boden links liegen lässt, oder ihr macht einen Umweg über einen sauberen Platz.

Hau den Lukas
nicht!

Denn es bringt nichts. Klar: mit Verstärken arbeiten macht Arbeit. Man muss den Hund kennen lernen und zu jedem Zeitpunkt den richtigen Verstärker finden. Doch Strafe bringt nichts.

Strafe ist Ein Reiz der die Wahrscheinlichkeit dass ein bestimmtes Verhalten auftritt senkt. Einfacher: Strafe unterdrückt nur Verhalten, es baut kein neues auf. Dazu kommt: der Verstärker für das Aufessen von Müll bleibt bestehen - und ist darüber hinaus eh sehr tief verankert, zu tief für Strafe.

Sobald die Luft rein ist, also ihr nicht hinseht, geht es los mit dem Fressen. Und ihr wisst nicht, was er gerade gegessen hat. Das ist noch doofer.

Ausserdem aktiviert jede Motivation ein bestimmtes Verhaltenssystem. Angst führt zu Kampf/Flucht. Damit belastet ihr eure Beziehung zum Hund und es kann zu Aggressionsverhalten seitens des Hundes kommen, da er sich schützt und seine Beute. Nicht so toll.

Also lasst es mit der Strafe.

Los geht's

Schnappt euch Karton, Klicker, Leckerchen und los geht es. Schreibt euch auf, wo ihr gerade seid im Training und notiert euch, was ihr beim nächsten mal trainieren wollt. Trainingspläne findet ihr hier.