Rundgang durch ein Klärwerk
Ein nicht-alltäglicher Einblick

Im April bekam ich eine Einladung von einem Stadtabgeordneten, auf einen Rundgang durch ein Klärweg mitzukommen. Diese Gelegenheit nutzte ich, um mir das anzuschauen. Eine seltene Gelegenheit.

Viele Bereiche dieses Betriebsgeländes sind von aussen einsehbar, und so teile ich die Fotos hier auch. Andere Bereiche waren nur zugänglich durch die Führung, und diese Fotos sind hier nicht gezeigt.

Ein Überblick mit Maps

Um eine Idee zu bekommen, wie der Ablauf eines Klärwerkes funktioniert, fange ich diese Online-Tour mit einem Überblick an.

Maps über das Betriebsgelände
So sieht das Gelände von oben aus.
  1. Hier kommt die Leitung aus der Stadt und den Pumpwerken an. Häuser die nicht an das Netzwerk angeschlossen sind und eine Sammelgrube haben die regelmässig entleert werden, deren Hinterlassenschaften werden durch einen Lkw ebenfalls hier entladen.

Unterhalb dieses Gebäudes befindet sich eine Schlammgrube, wo das Material aus der Kanalisation abgeladen wird. Das fällt bei Reinigungsarbeiten an.

  1. Hier ist das anaerobe Becken. Hier sind Bakterien die ohne Sauerstoff ihre Arbeit verrichten. Von der Mitte aus geht das Schmutzwasser in den äusseren Ring. Es muss hier ein Paar Tage verbringen, damit die Bakterien ihre Arbeit in Ruhe erledigen können.
  1. Das Belebungsbecken. Phasen der Durchmischung wechseln sich ab mit Phasen des Standes. Hier sind sowohl aerobe als auch anaerobe Bakterien aktiv. Ein Kalksilo stellt Kalk bereit, um den PH Wert stabil zu halten - zwischen 6 und 7. Es soll nicht zu sauer werden. Phosphate sind eine Herausforderung und müssen entsprechend abgebaut werden.
  1. Das geklärte Abwasser geht ins Nachklärbecken. Schlamm der hier ablagert kommt in ein Silo, wird getrocknet - Feuchtigkeit etwa 20% - und kann der Landwirtschaft übergeben werden. Die Stadt hat unter 50 000 Menschen, da ist das erlaubt. Ausserdem gibt es hier keine Schwerindustrie oder Metallindustrie, sodass keine Metalle eine Belastung darstelln. Die Firmen in der Stadt sind gehalten, für besonders giftige Industriegewässer eine Kläranlage bereit zu halten und geklärtes Wasser einzuleiten.

Das geklärte Wasser verbringt hier noch ein, zwei Tage und wird dann bei Müggendorf in die Elbe geleitet. Theoretisch wäre es denkbar, das Wasser, das aufwänig geklärt wurde, in der ohnehin trockenen Region zu belassen und versickern zu lassen. Allerdings ist es denkbar, dass Reststoffe im Wasser sich anlagern könnten und so scheint es (noch) nicht erlaubt zu sein.

Die trockenen Sommer im Elbtal haben dazu geführt, dass die Elbe zeitweise um die 70 Zentimeter Wassertiefe hatte, sodass der Verdünnungseffekt nicht bedeutend sein kann.

In dieser Kläranlage befinden sich keine Filtersysteme um Mikroplastik oder Medikamente - die aus Harn und Kot in die Kläranlage gelangen - herauszufiltern. Es gibt anscheinend noch keine gesetzliche Anforderung dafür. Allerdings steigt die Notwendigkeit dafür, denn unsere Gewässer sind zunehmends mit Chemikalien aus unserer Zivilsation belastet.

  1. Hier sind die Schaltzentrale und ein Labor und andere Räumlichkeiten.

1. Die Annahme

Blick auf das Rechengebäude
Blick auf das Rechengebäude und den Langsandfang

Hinter diesem Gebäude kommt das Schmutzwasser, die Fäkalien, an. Hier werden auch die Lkw mit den Fäkalien entleert. Ein Rechen nimmt die groben Verschmutzungen heraus, Sand filtert schon grob vor.

Schlammannahme
Hier wird der Schlamm aus der Kanalreinigung abgeladen.

Der Schlamm, der aus den Kanalreinigungen anfällt, wird hier abgeladen. Was damit passiert, hatte ich nicht gefragt.

2. Das anaerobe Becken

Blick auf das anaerobe Becken und die drei Belebungsbecken
Blick auf die Becken.

Links unten im Bild ist das anaerobe Becken zu sehen, weiter hinten und auf der rechten Seite sind die Belebungsbecken zu sehen. Das hohe Silo hält Kalk bereit, der gebraucht wird wenn das Schmutzwasser zu sauer wird.

Blick auf das anaerobe Becken
Das anaerobe Becken.

Das vorgesäuberte Wasser wird hier hinein gespült und muss einige Tage hier bleiben, damit die anaeroben Bakterien sich an den Verschmutzungen satt essen können. Bon appetit. Das Becken ist auch geometrisch schön. Von innen geht das Wasser in den äusseren Ring, so haben die Bakterien genügend Zeit für ihre Mahlzeit.

3. die Belebungsbecken

Blick auf ein Belebungsbecken
Eines der drei Belebungsbecken.

Auf den Böden der Belebungsbecken befinden sich Leitungen, die Luft in das Abwasser blasen. Es handelt sich um reine Aussenluft. Dieses einblasen findet abwechselnd statt mit Ruhephasen. Hier ist der Übergang zwischen anaeroben und aeroben Bakterien.

Die alten Belüftungsrohre
Hier liegen alte Belüftungsrohre.

Auf dem Foto zu sehen sind alte, ausgebaute Rohre die einst auf dem Grund eines der Belebungsbecken lagen und Luft in das Becken geblasen haben. Sie wurden durch neue ersetzt.

Durch das Zufügen von Luft verändert sich die Dichte, sodass selbst geübte Schwimmer keine Chance hätten, sich von alleine über Wasser zu halten. Deswegen gibt es zur Sicherheit an den Gerüsten befestigt die Rettungsringe.

4. die Nachklärbecken

Blick in ein leeres Nachklärbecken
Ein leeres Nachklärbecken.

Das geklärte Wasser wird in die zwei Nachklärbecken geleitet. Um die Bakterien an die Umgebung zu gewöhnen, wird am Anfang des Neubetriebes dieses Wasser in das anaerobe Becken geleitet. Im laufenden Betrieb wird ebenfalls Wasser in die anderen Becken geleitet, um die Bakterien zu aktivieren.

Der Pilz in der Mitte dient dazu, das geklärte und saubere Wasser abzupumpen. Am Fuss des Pilzes sind Pumpen die den Schlamm absaugen. So wird beides getrennt. Der Schlamm wird in ein Silo geleitet und getrocknet.

Entscheidend sind die Laborwerte. Sie werden herangezogen um zu entscheiden, ob das saubere Wasser in die Elbe eingeleitet werden kann.

Blick auf ein gefülltes Nachklärbecken
Ein gefülltes Nachklärbecken.

So sieht ein Nachklärbecken voll aus. Der Leiter der Anlage und zugleich Tourguide, berichtete von seinem Vorgänger der durchaus davon trank. In einer anderen Kläranlage sah ich, wie so ein Becken als Teich und Heimat für Wasservögel gestaltet werden kann. Ausserdem frage ich mich, ob eine Wasserwärmepumpe nicht die Wassertemperatur nutzen könnte, um Wärme herzustellen. Die Stadtwerke planen ein ähnliches Werk an der Steppenitz. Dadurch wird das Wasser um vier Grad abgekühlt, diese Energie dient dann dazu Wärme zu erzeugen, ähnlich wie ein Kühlschrank.

5. Betriebsgebäude und Eingang

Blick auf den Eingang und das Betriebsgebäude
Eingang mit Betriebsgebäude. Bildklick und man sieht, wo wir uns befinden.

Von dort sind wir gekommen. Wir starteten unsere Tour im Betriebsgebäude - rechte Seite, Backsteingebäude - und gingen rüber zum Rechenhaus und der Zuleitung. Diese Zuleitung hat zwischen 1 und 2 Bar, ist wohl etwa 60 Zentimeter stark.

Auf dem zweiten Foto ist ein schwarzes Silo zu sehe - Bildklick. Es enthält Eisen(III)-Chlorid das unter Anderem zur Bindung von Ölen genutzt wird. Es dient für den Ernstfall, wenn Ölverschmutzung eintritt.

Ein Dank zum Schluss

Ein Dank geht an den Stadtverordneten der mich einlud und den Leiter und Tourguide, der sich am Ende seines Arbeitstages - und vermutlich eine halbe Stunde in seine Freizeit - Zeit nahm um uns seinen Arbeitsplatz vorzustellen.

Ich habe hier Fotos vom Betriebsgelände veröffentlicht, die von ausserhalb des Zaunes ebenfalls einsehbar sind und die auch auf Maps betrachtet werden können. Fotos die den Innenbereich der Anlage zeigen sind hier nicht veröffentlicht.