Hundliche Kommunikation
untersucht mit Modellen aus der Kommunikationstheorie

In diesem Beitrag untersuche ich eine akustische Kommunikation eines Hundes mit den Mitteln der Kommunikationstheorie, namentlich dem Organon-Modell von Jakob Bühler und den vier Seiten von Schultz von Thunfisch.

Ausgangsituation
Ein Spitz hört ein ihm fremdes geräusch und bellt.

Die vier Seiten einer Kommunikation
Diese kleine Botschaft des kleinen Spitzes, hat vier Seiten.

Vier Seiten eines Thunfisches.
Von Wikipedia

Auf der Sachebene kommuniziert der Spitz "Da ist was!". Mit der Selbstoffenbarungsebene signalisiert er "ich bin aufgeregt". Über die Appellfunktion macht er klar "Hau ab!". Und auf der Beziehungsebene macht er zweierlei klar: Dem 'Fremden' macht er klar "ich mag dich nicht!"; seiner Gruppe macht er klar "Hey, da ist was!".

Das Organonmodell
Mit dem Organon-Modell lassen sich drei Funktionen dieser kleinen, spitzen Kommunikation erkennen.

Organonmodell.
Quiethoo

Zum Einen trägt es eine Ausdrucksfunktion und ist Symptom des Senders; das Zeichen sagt etwas über den, der sendet, "Ich bin aufgeregt. Ich will dass du gehst". Weiters besitzt es eine Darstellungsfunktion, das Zeichen Bellen ist ein Symbol das etwas im Aussen `darstellt`; es bringt zum Ausdruck, dass da "Etwas" ist, das 'Fremde'. Und zu guter Letzt hat es eine Appellfunktion, was die Botschaft zum Signal werden lässt; es sagt dem gemeinten Empfänger "Hau ab, ich will dass du gehst!". Das Bellen an sich, ist ein Zeichen das oben genannte Merkmale trägt.

Vergleich der Modelle
Den Hauptunterschied sehe ich darin, dass die Vier-Seiten sich dem Sendenden zuwenden und seine motivationale Lage, von der aus dieser kommuniziert, wohingegen das Organonmodell zusätzlich zum Sender die Aussenwelt, auf die sich das Kommunizierte bezieht, und den Betroffenen, an den sich die Botschaft richtet.

Beide Modelle haben die Kraft, eine Kommunikationsituation besser, oder anders, zu verstehen und sein Handeln danach auszurichten; wobei die Vier-Seiten noch stärker die Möglichkeit anbietet, den Sender in vielerlei Weise zu interpretieren und zu verstehen.

Ausblick
Bevor man beim nächsten Mal seinem Hund zuruft die "Klappe zu halten", kann man versuchen zu verstehen, was Hund da gerade zu kommunizieren sucht. Es kann das Verständnis schärfen, dass es sich nicht um Lärmbelästigung handelt, sondern um einen sozialen Akt, einen Beweis der sozialen Fähigkeiten des Hundes.

Der Umstand dass der Hund auf seine Umwelt eingeht und auf diese reagiert, macht deutlich dass er ein Lebewesen ist das in dem Moment kommuniziert und Zeichen sendet; das Bellen ist Ausdruck des Bellenden. In dem der Hund etwas erreichen will, wird das Gebellte zu einem Signal das dem Zuhörenden Auskunft gibt was er tun sollte. Das gibt uns Zuhörenden die Möglichkeit, einen Verstehenszugang zu finden und damit Zugang zum Hund. Zudem zeigt es auch, dass der Hund sich auf Etwas aus seiner Umwelt bezieht, mit seinem Bellen etwas darstellt; das "Fremde" draussen das gehen soll.

In diesem Sinne: Gutes Zuhören und Wuff
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