Verhaltenssystem, Motivation und Verstärker

Dieser Tage bekam ich ein schönes Beispiel zu Gesicht, das die Interdependenz von Psychologie und Biologie veranschaulicht. Die Lerntheorie wird üblicherweise der Psychologie zugeteilt, Verhalten und Verhaltenssysteme der Biologie - über den Sinn oder Unsinn davon kann an anderer Stelle diskutiert werden.

Der Labrador trägt hier normalerweise Dinge im Mund herum - Konrad Lorenz würde dies Instinkthandlung nennen. Ich lehre ihm für unterwegs, einen Futterbeutel zu apportieren. Der Begründer dieses Stoffbeutels postulierte, dass dies die Jagd simuliert und dadurch eine artgerechte Beschäftigung für einen Hund seie.

Für einen üblichen Labrador ist das Gefühl etwas im Mund zu haben Auslöser der Belohnungszentren im Gehirn; es braucht keine weiteren Verstärker. Dies entspricht dem, was David Premack formulierte: Verstärker selbst sind instrumentelle Verhaltensweisen. Sei es Futter zerkauen und schlucken, oder etwas zerrupfen, oder an einem Bringsel zerren, alles instrumentelle Verhaltensweisen die das Belohnungszentrum im Gehirn beflügeln.

Als ich nun hinging und den Futterbeutel nahm und den Verstärker austauschte, wechselte ich auch die Motivation und damit einhergehend das Verhaltenssystem: Er brachte den Futterbeutel aus einer Futtermotivation heraus - ein alimentäres Verhalten. Man könnte nun diskutieren, ob das Apportieren selbst sich nicht stammesgeschichtlich aus dem Beutefangverhalten entwickelte und im Zuge der Domestikation sich daraus heraus löste. Dies würde aber nichts daran ändern, dass im Hier und Heute der Labrador in meinen Wohnräumen zwischen 'Essen' und 'Tragen' unterscheidet - er versucht nicht das Stofftier oder den Gummikegel zu essen.

Was man daraus lernen kann, und was sich schön illustriert, ist, dass sehr wohl jedes Verhalten einen Verstärker kennt das dieses Verhalten aufrecht erhält. Ändert man aber den Verstärker ändert man üblicherweise auch das Verhaltenssystem und das sollte man sich vorher überlegen, ob man das will. So arbeitet der Spitz hier für soziale Aufmerksamkeit, dafür angesehen, bewundert zu werden, geknuddelt zu werden. Versuchte ich, wie ich es schon tat, es auf Futter zu ändern, änderte sich auch sein Verhaltenssystem und seine Motivation.

Im Fall des Spitzes kombinierte ich Beides: Um ihm zu zeigen was ich meine, verwendete ich Klicker und Futter, und als ich bemerkte dass er aus Freude am Menschen das tut, liess ich das Futter weg und kraulte ihn. Im Fall des Labradors wird sich nicht viel ändern: Auch jetzt liegen um ihn herum zwei Spielsachen zum Tragen, während er schläft. Aber durch den Futterbeutel wird er auch unterwegs was zu tun haben.

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