Automatisches Morgendiktat mit meinem kritischen Hund

Mit einem Ohrenzucken schickt er die Sonne
Als erstes duschen
Wir bleiben liegen, trödeln
Ein Traum von gestern klopft übers Pfotenspiel
Den Tag genau auf die Belastbarkeit ab
Ich mache das Notat
Ein Schluchzen jagt die Herde lang vertaner Chancen
Und unsre frisch geborenen Fohlen
Über den angefrorenen Boden
Das Gras wächst grölend, stinkend, sauer
Der Wind schwimmt
Mit den Sirenen
Um die Wette, durch die Luft, über die Mauer
Dringt der Geruch vom Rückzug unsres stadtbekannten Fuchses
All das verschwindet hinterm steckdosengroßen, nassen
Unvergleichlich schwarzen, makrosmatisch mysteriösen Nasen
Spiegel. Wir lecken die Lefzen und Lippen im Wechsel
Schmecken im Philtrum den Wert ab
Den es hat, als erstes in der Welt
Im Fell zu sein
Und feiern das bisschen
Anthropomorphismus
Mit kleinem Tanz und Schwanz
Wedeln an der Schwelle zum Bewusstsein
--
*Ich lese ihm das vor, er nimmt es mir nicht ab
Und bedeutet, er ginge sich, noch heute, einen
Neuen Menschen
Kaufen
--
**Ich reibe es ihm noch einmal anders
Unter die Nase, mit mehr Rhythmus
Und spiel die zweite Hand
Dabei auf seinem Bauch
Wo das Fell dünn wird und hoch
Unter die erhobene Pfote
Wir sind doch beide pleite
Jetzt gefällt's ihm auch.

Maria-Daria Cojocaru, Anstelle einer Unterwerfung, 2014-2016

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